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Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Speer | 13.05.2017 | 782 Aufrufe | Interviews

"... ein Tür- und Augenöffner!"

Forschungsorientiert studieren im a.r.t.e.s. Research Master

Mit dem a.r.t.e.s. Research Master hält die a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne ein besonderes Zusatzangebot für forschungsinteressierte Masterstudierende der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln bereit. Das reguläre Lehrangebot wird dabei ergänzt durch das a.r.t.e.s.-Modul, das sich aus Veranstaltungen der Juniorprofessoren und Postdocs des a.r.t.e.s. Research Lab und einem intensiven Beratungsangebot zusammensetzt. Dies ermöglicht den Studierenden schon während ihrer Masterphase einen unmittelbaren Forschungsbezug und einen Einblick in innovative und interdisziplinäre Forschungsdesigns in den Geisteswissenschaften. Das Research Master-Programm fördert die Entwicklung eigener Forschungsprojekte in einem multidisziplinären Kontext und stärkt potentiell anschließende Promotionsvorhaben. Dafür stellt a.r.t.e.s. auch Mittel für Forschungs- und Archivreisen sowie erste Konferenzteilnahmen zur Verfügung.

Seit dem Wintersemester 2016/17 studiert bereits der dritte Jahrgang im a.r.t.e.s. Research Master. Thorsten Leyens (Musikwissenschaften) und Alina Wehrmeister (Germanistik/Skandinavistik) haben ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen im vergangenen Jahr als offizielle Sprecherin und Sprecher des Programms vertreten. Ein Gespräch über Horizonte, Grenzen und den Wert der Interdisziplinarität.

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a.r.t.e.s. Graduate School: Liebe Alina, lieber Thorsten, mit dem a.r.t.e.s. Research Master habt Ihr Euch für ein forschungsorientiertes Studium entschieden. Warum?

Alina Wehrmeister: Bei dem Research Master-Programm steht Interdisziplinarität im Mittelpunkt, die bei mir durch meine Fächerkombination Germanistik und Skandinavistik sowieso schon gegeben ist, da diese Fächer viele Verknüpfungspunkte haben. Ich kann mir sehr gut vorstellen, nach dem Ende meines Studiums an der Uni zu bleiben. Dementsprechend bietet mir der Research Master nicht nur die Möglichkeit, interessante Seminare zu besuchen, sondern auch, Kontakte zu knüpfen und zu sehen, wie wissenschaftliches Arbeiten im Mittelbau abläuft.

Thorsten Leyens: Mir geht es ähnlich. Im Bachelor habe ich Geschichte und Musikwissenschaften studiert, und auch zwischen diesen beiden Fächern gibt es viele Anknüpfungspunkte. Diesen interdisziplinären Fokus wollte ich im Master beibehalten, auch wenn ich ‚nur noch‘ ein Fach studiere. Es ist außerdem einfach hilfreich, Kontakte zu knüpfen und zu erfahren, wie der Arbeitsalltag an der Uni aussieht und mit welchen Themen man sich beschäftigen kann. Für mich ist der Research Master ein Tür- und Augenöffner.

Besteht aus eurer Sicht ein großer Unterschied zwischen einem regulären Master-Studium und dem Research Master-Programm?

AW: Ja, das würde ich auf jeden Fall sagen. Ähnlich wie in den Veranstaltungen des Studium Integrale sitzen in den Seminaren des Research Master Studierende aus unterschiedlichen fachlichen Disziplinen. Für viele sind Inhalte oder Methoden selbstverständlich, über die ich selbst vorher noch nie nachgedacht habe – das erweitert meinen wissenschaftlichen Horizont! Die Kurse im Research Master-Programm bieten einen offenen Raum, in dem alle Studierenden die fachlichen Perspektiven und Ideen ihrer eigenen Disziplinen einbringen können. Und da dies allen bewusst ist, ist es immer eine sehr produktive Umgebung.

TL: Da gebe ich Alina völlig Recht. Es ist außerdem nicht nur so, dass man merkt, worüber man selbst noch nie nachgedacht hat, sondern man lernt auch viel über die verschiedenen Denkstrukturen der einzelnen Fächergruppen.

AW: In seinem Fach arbeitet man oft in vorgefestigten Strukturen. Der Research Master bietet die Möglichkeit, diese Strukturen zu hinterfragen. Die an der Universität üblichen Hierarchien treten zwar manchmal auch hier zu Tage, wenn zum Beispiel Studierende Hemmungen haben, mit ihren Fragen auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Research Lab zuzugehen. Diese Hierarchie lässt sich aber aus meiner Sicht im Research Master besonders gut auflösen.

Wie konntet Ihr die Anregungen aus dem Research Master für Eure fachlichen Interessensgebiete nutzen?

AW: Neu waren für mich vor allem methodische Anregungen aus den anderen Disziplinen. Ich habe beispielsweise ein Essay über Philologie geschrieben und konnte dort Inhalte anwenden, die wir im Research Master-Seminar „Individuum und Kollektiv“ besprochen haben. Das war eine Verbindung, die ich vorher nicht gezogen hätte.

TL: Die Musikwissenschaft ist ebenfalls sehr interdisziplinär aufgestellt. Für meinen Schwerpunkt der historischen Musikwissenschaft hat mir das Programm in erster Linie neue Denkanstöße für Hausarbeiten gegeben. Ich habe überlegt, welche Texte oder Autorinnen und Autoren ich aus den Research Master-Seminaren mit einbringen kann, um ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Gibt es im Research Master-Modul Aspekte, die Ihr aus Eurer Sicht als Studierende in Zukunft ändern würdet?

TL: Manchmal waren die Leistungsanforderungen für zwei gleichwertige Seminare zu verschieden und die Module daher etwas uneinheitlich. Hier wird jedoch bereits an einer Lösung für das nächste Semester gearbeitet. Ansonsten funktioniert das Konzept des Research Masters meines Erachtens nach ziemlich gut, besonders wenn – wie bei unserem Jahrgang – versucht wird, alle von Anfang an auf ein gemeinsames Wissenslevel zu bringen.

AW: Ich würde mir wünschen, dass wir in den Seminaren mehr Austausch mit den Doktorandinnen und Doktoranden von a.r.t.e.s. haben. In den Seminaren sind zwar Juniorprofessoren oder Postdocs anwesend, aber Promovierende würden noch einmal eine ganz andere Sichtweise mit einbringen. Das ist auch deswegen schade, weil das gemeinsame Arbeiten der vielen unterschiedlichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei a.r.t.e.s. sonst sehr gut funktioniert.

Habt Ihr nun, da Ihr am Ende eures Studiums angelangt seid, weiterhin den Wunsch, wissenschaftlich zu arbeiten und möglicherweise eine Promotion anzuschließen?

TL: Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich an der Uni bleiben möchte. Voraussichtlich werde ich mein Studium im September abschließen und ich habe bereits einige Bewerbungen geschrieben. Ich werde sehen, was sich ergibt.

AW: Ich möchte sehr gerne weiterhin wissenschaftlich arbeiten. Auch wenn das Masterstudium, das zusätzliche Research Master-Modul, ein Lehrauftrag für Schwedisch und eine Stelle als Studentische Hilfskraft ein ziemlich hoher Arbeitsaufwand waren, war die Zeit auch sehr bereichernd. Mein Professor unterstützt außerdem meine Promotionspläne… ich werde es also auf jeden Fall versuchen!

Wir danken Thorsten Leyens und Alina Wehrmeister für das Gespräch!
  
Das Interview führte Julia Maxelon, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der a.r.t.e.s. Graduate School.

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