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Georgios Chatzoudis | 08.09.2014 | 368 Aufrufe | Artikel

8. Sept. 1914 Dienstag. Pr. Wilten

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Früh Nachricht, dass das Zitzewitzsche Gestüt aus Waren nahe bei im Walde geflüchtet stehe und dass wir dort Pferde bekommen könnten. Hingefahren und in einer hübschen Lichtung im Walde bei Gertlack etwa vierzig Pferde mit einem Aufseher und zehn bis zwölf Jungen gefunden, die dort seit 14 Tagen campieren. Die Kosaken hätten sie nicht gefunden. Zehn schöne Pferde gekauft, die durch meinen Futtermeister und einige von den Jungen gleich der Kolonne zuführen liess. – Um zehn ausgerückt nach Deutsch-Wilten bei Friedland. Die Russen sollen sich hinter Friedland an der Alle und der Ometh bei Allenburg verschanzt haben. Gestern waren sie noch in Deutsch Wilten. In Domnau, wo wir durchrücken, ist der Marktplatz von ihnen in Brand gesteckt. Sonst haben sie bis hier wenig Schaden angerichtet. Die Dörfer und Gehöfte stehen überall noch. In Deutsch Wilten sind die Häuser verlassen und geplündert, aber ob von den Russen oder den Flüchtlingen, ist zweifelhaft. Nachmittags bei Dt. Wilten abgekocht. Abends Quartier bezogen in Dt. Wilten auf dem Gut eines Herrn v. Gottberg, das mich durch manche Einzelheiten an Ste. Honorine erinnerte. Wehmütige Stimmung. Park u Haus, an die sich glücklichste Erinnerungen knüpfen, und die ich wahrscheinlich nie wiedersehen werde. Vor acht Tagen waren Russen hier, die einen japanischen Offizier mithatten.

Foto: DLA

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