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Georgios Chatzoudis | 05/19/2010 | 1269 Views | Articles

8. Internationaler Kongress der Gesellschaft für Anthropologie, 14. - 18. September 2009 in München

Tagungsbericht von Felix Engel, Universität Freiburg


Die Gesellschaft für Anthropologie (GfA) vertritt die Interessen der Biologischen Anthropologie in den deutschsprachigen Ländern. Alle zwei Jahre hält sie einen internationalen Kongress ab. 2009 fand dieser in München statt und trug den Titel „Anthropologie - Kernkompetenzen einer Brückenwissenschaft“.
Wie so oft ist die Titelgebung der Bemühung geschuldet, dem Fehlen eines inhaltlichen Fokus einen klangvollen Namen zu verleihen. Gerade die Biologische Anthropologie ist akademisch großzügig definiert, entsprechend weit gefächert waren auch dieses Mal die Vortragsthemen aus den Bereichen Stammesgeschichte des Menschen, Archäologie, Paläopathologie, Primatologie, Forensik, Industrieanthropologie, Demographie, Gesundheitsvorsorge, Verhaltensforschung und vielen mehr. Einerseits eröffnet sich die Gelegenheit, von vielem zu erfahren, worüber man sich zuvor nie Gedanken gemacht hatte. Andererseits sind kontroverse Fachdiskussionen selten, da sich die meisten Beiträge an nur kleine Kreise von Spezialisten richten, die sich meist im Vorfeld bereits ausgetauscht haben.
Mich persönlich hat am meisten die Begegnung mit Prof. Dr. Israel Hershkovitz aus Tel Aviv angeregt. In seinem Gastvortrag hatte Herr Hershkovitz ein baldiges Ende der Anthropologie vorausgesagt, wenn sie sich (wie wohl in Israel zuvor geschehen) zu stark an der Archäologie orientiere. Die Aussagemöglichkeiten auf diesem Gebiet seien sehr begrenzt und Ergebnisse kaum signifikant. In der Tat verzichteten auch zahlreiche archäologische Kongressbeiträge weitgehend auf jegliche statistische Evaluation. In meiner Dissertation bemühe ich mich, die Grenzen der archäologischen und anthropologischen Aussagemöglichkeiten herauszuarbeiten. Im persönlichen Gespräch hielt Herr Hershkovitz mich an, meine Ergebnisse nicht aus falsch verstandener Liebe zur Disziplin zu schönen.
Angespornt durch dieses Gespräch hoffte ich, im Anschluss an meinen Vortrag Sinn und Grenzen der prähistorischen Anthropologie in großer Runde diskutieren zu können (nach Hr. Hershkovitz' Beitrag war es dazu nicht gekommen). Leider ließ sich auch dieses Mal das Publikum nicht kitzeln. Für meine Arbeit nehme ich vom Münchener Kongress als Auftrag mit, eine faktische Grundlage für diese dringend notwendige Debatte vorzulegen.

Die Inhaltsangaben der Kongressbeiträge sind im Bulletin der Schweizerischen Gesellschaft für Anthropologie 14 (Ausgabe 2008, erschienen 2009) veröffentlicht.

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