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Georgios Chatzoudis | 31.10.2014 | 905 Aufrufe | Artikel

31. Oct 1914. Sonnabend. Plawno

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Früh um 3/4 5 aus Krosno abgerückt. Schneidend kalter Wind in der Dunkelheit. Zahllose Kolonnen werden, als es Tag wird, auf allen Strassen gegen Nowo Radomsk und Czenstochau zurückgehend sichtbar. Kanonendonner in der Ferne. Auf dem Schloss der Fürstin Lubomirski einquartiert: Komplex kleiner unscheinbarer einstöckiger Gebäude wie in Spala. Schweinitz ist mit einquartiert. Sein Stab, Bernhard Stolberg u. s. w. frühstückt bei mir. Frühere Einquartierungen haben viel verwüstet und mitgenommen. Den Abend beim Stab Schweinitz verbracht. Spät kam der Adjutant Katen aus dem Oberkommando und sagte, dass das Corps sich nördlich Nowo Radomsk in die Linie Kodromb-Krempa einziehe. Es scheine, unser Corps solle die Russen blos aufhalten, während die andren Corps hinten herumgezogen würden, um den Russen in den Rücken zu fallen (wahrscheinlich mit der Bahn verladen). Hoffnungsvollere Stimmung; während am Tage sehr ernstlich mit einem Zurückgehen bis an die Oder und einem Russeneinfall in Schlesien gerechnet wurde. – Mit Johnston in die Schlaf- und Ankleidezimmer der Fürstin, die verwüstet sind. An der Tür hängt noch ein Zettel, in dem sie besonders um Schonung für diese Räume bat. Alles ist aus den Schränken u Koffern herausgerissen und durcheinander geschmissen, Kleider, Wäsche, künstliche Blumen, Schuhzeug. Die Schuhe, Lackschuhe, hohe rote Damenstiefel aus Juchtenleder, Ballschuhe sind mit Messern zerschnitten: eine richtige Plünderung und Verwüstung. Der Diener sagte aus, Infanteristen von uns hätten es getan. – Mittags nach Piaski marschiert, wo wir etwas ausruhen sollen, da man sich scheinbar vorne ziemlich sicher fühlt. Die Russen sollen nur mit ganz schwachen Kräften gefolgt sein, wie Johnston sagt.

Krosno im 19. Jahrhundert

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