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Georgios Chatzoudis | 29.11.2014 | 276 Aufrufe | Artikel

29 Nov 1914. Sonntag. Blészno

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Früh nach Olsztyn hinübergeritten, um mit Eberhard Stolberg in Verbindung zu treten, der unsere Gefechtsstaffel führt. Er teilte mir mit, dass wir nicht mehr zum Landwehr Corps gehören, sondern zu einer ganz selbständigen Division Bredow, die südlich vom Landwehrcorps, bei Olzstyn, operiert. Die Munition muss von Stahlhammer km entfernt geholt werden. Da dieses sehr unpraktisch, mich erboten, mit dem Landwehrcorps zu verhandeln, ob nicht auch wir unsere Munition in Herby holen könnten. Die Schlachtfront vor der Div. Bredow heute fast ruhig, nur einzelne Kanonenschüsse. Um 3 plötzlich eine ziemlich heftige Kanonade nordöstl. Ich habe heute Abend einige Minuten lang mit Heymel über seinen Tod gesprochen. Das Gespräch hatte Nichts gespensterhaftes, aber mit unwiderstehlicher Gewalt sprach seine Stimme in mir, ich sah und hörte ihn wie Etwas in mir Traumartig Eingeschlossenes. Er nahm übrigens die Sache leicht, wie Alles, was ihn im Leben traf, aber mit jenem ihm eigentümlichen Zug versteckter Wehmut. Was ihn am meisten schmerzte, war nicht mehr helfen, Niemandem sein einzig Liebesarmes Herz mehr schenken zu können. Ein Erlebnis wie es nur in der eigenartigen Todesgeweihtheit und Weltferne des Krieges möglich war.

Ostfront, 1914

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