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Birgit Marzinka | 20.09.2011 | 681 Aufrufe | Ankündigungen

125 Jahre Afrika-Konferenz: deutsche Tradition des Kolonialismus bis in den Nationalsozialismus? - LaG-Magazin vom 12. Mai 2010 (5/10)

Die  vorliegende Ausgabe unseres LaG-Magazins beschäftigt sich mit der Frage, ob zwischen dem deutschen Kolonialismus des Kaiserreichs und den, teilweise verwirklichten, Eroberungsplänen der Nationalsozialisten strukturelle Kontinuitätslinien auszumachen sind. Der äußere Anlass für diese Edition ist der 125. Jahrestag der so genannten Afrika-oder Kongokonferenz vom 15. November 1884 bis zum 26.Februar 1885, bei der die damaligen Weltmächte sich über die Aufteilung und Ausbeutung des Kontinents verständigten.

Zur Diskussion der oben genannten Frage konnten wir Autorinnen und Autoren gewinnen, die unterschiedliche Aspekte und Fragen zu den Themen Deutscher Kolonialismus und NS-Eroberungspolitik aufgreifen. Die Antworten fallen keineswegs einheitlich aus. Wir möchten uns bei allen Mitwirkenden für ihre Texte und Rezensionen bedanken.

Der Nachhall kolonialer Herrschaftsansprüche ist, angefangen bei Straßenbenennungen bis in die Sprache hinein, im Alltag spürbar. Das wird in der Schwierigkeit und Uneinheitlichkeit deutlich, nicht-diskriminierende Begriffe für die Mehrzahl der Menschen zu finden, die nicht als "weiß" definiert werden. Spricht man von Schwarzen, Farbigen, Indigenen oder von People of Colour? Auch die Selbstbezeichnungen variieren. Mannigfaltig sind ebenso die Nachwirkungen von nationalsozialistischer Herrschaft, die den 2. Weltkrieg und darin den Vernichtungskrieg gegen die mittel – und osteuropäische Bevölkerung, der die Vernichtung der europäischen Juden sowohl möglich machte, als auch einschloss und im "Generalplan Ost" seinen imperialen Ausdruck fand.

Die verschiedenen Erinnerungen an die zigtausendfache Ermordung von Herero und Nama durch deutsche Kolonialtruppen und die Erinnerungen an den Zivilisationsbruch als Teil und Folge des Nationalsozialismus können nicht gegeneinander aufgerechnet werden. Diese verschiedenen Erinnerungen nicht konkurrierend zu erzählen sollte ein selbstverständlicher Teil narrativer Geschichtsdarstellungen im Unterricht sein. Die jeweiligen Mechanismen von Herrschaft in verschiedenen Geschichtsprozessen zu vermitteln scheint für Bildungsprozesse in einer zunehmend globalisierten Welt eine wesentliche Herausforderung zu sein.

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