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M.A. Andreas C. Hofmann | 14.08.2013 | 3070 Aufrufe | 2 | Beiträge

Wissenschaftskommunikation 3.0

Ein Plädoyer für eine vertikale Erweiterung des Wissenschaftsdialogs auf Studierende

Für Studierende stellt sich Wissenschaftskommunikation noch immer eher als ein Wissenschafts­monolog, denn als ein Wissenschaftsdialog dar. Bei der andauernden Rezeption meist ge­lungener aber nicht immer leicht verdaulicher Forschungs- und Lehrliteratur kann man es den Hochschülern nicht verübeln, wenn sich unter Ihnen ein Gefühl der wissenschaftlichen Passivität breit macht. Nachdem mit dem Slogan Wissenschaftskommunikation 2.0 die technischen Möglichkeit einer Partizipation am Wis­­senschaftsbetrieb durch neue Medien auf der horizontalen Ebene maßgeblich erweitert wurden, kommen die Einbindung der Studierenden und somit die Erweiterung auf der vertikalen Ebene nur schleppend voran.

Blogs, Podcasts, Twitter-Walls und Facebook-Seiten sind in aller Munde. Unser In­ter­net entwickelte sich unter dem Label Web 2.0 zum ‚Mitmach-Web‘ weiter. Mit diesem Entwicklungssprung erfuhr auch die Wissenschaftskommunikation eine fundamentale Veränderung: Wissenschaftskommunikation 2.0 ermöglicht es jedem, mit ein­fachen technischen Mitteln am Wissenschaftsdialog teilzuhaben. Wirklich jedem? Diese Frage ist mit einem klaren Nein zu beantworten! Denn es sind die Studierenden, welchen die Wissenschaftskommunikation auch jetzt noch nur die Rolle eines Beobachters zuerkennt. Aber was kann für eine wissenschaftliche Ausbildung eine beobachtende Rolle im Wissenschaftsprozess sein, wenn nicht nur eine ‚Trockenübung‘? Wie sollen Studierende einen wissenschaftlichen Kommunikationsprozess erlernen, wenn er für sie nur eine Einbahnstraße darstellt. Wie werden Studierende dazu gebracht, ihre in Seminararbeiten gepackten Forschungser­gebnisse nicht ‚nur‘ mal mehr mal weniger liebevoll für ‚ihren‘ Dozenten zu schreiben?

 

An diesem Verständnis von Wissenschaftskommunikation 3.0 als einer vertikalen Er­weiterung des Wissenschaftsdialogs auf Studierende, setzt »aventinus. Studentische Publikationsplattform Geschichte« an. Das unter http://www.aventinus-online.de verfügbare Portal ermöglicht es Studierenden, ihre während des Studiums erworbenen Forschungsergebnisse nach wissenschaftlichen Standards zu publi­zieren. Die Plattform, die am 29. Mai 2013 den dritten Jahrestag ihres Relaunches feierte, entstand aus dem namensgleichen Journal der Fachschaft Geschichte der LMU München. Mit der Bayerischen Staatsbibliothek als technischem Betreiber konnte ein im Elektronischen Publizieren erfahrener Partner gewonnen werden. Obwohl »aventinus« aufgrund seiner Genese sehr eng mit dem Historischen Seminar der LMU Mün­chen zusammenarbeitet, ist sein Wirkungsradius nicht auf München beschränkt. Die internationale aufgestellte Redaktion zählt nunmehr 25 Mitglieder, wobei mittlerweile sogar eine Regional­redaktion Österreich eingerichtet werden konnte. Sämtliche Beiträge durchlaufen ein dreistufiges Begutachtungsverfahren und werden mit der Veröffentlichung in die Historische Bibliographie der Arbeitsgemeinschaft Historischer Forschungseinrichtungen eingetragen.

 

Der Trägerverein von »aventinus« sucht allerdings auch die wissenschaftstheoretische Auseinandersetzung mit Studentischem Publizieren als neuer Form von Wissenschaftskommunikation. So sollen mit dem Ziel der Gründung eines „Instituts für Studentisches Publizieren“ sämtliche Akteure und Ressourcen dieses Feldes gebündelt werden, um sowohl eine wissenschaftstheoretische als auch eine wissenschaftspolitische Betätigung zu ermöglichen. Denkbare Aktionsfelder sind beispielsweise Tagungen, Workshops, Informationsdienste oder die Bildung eines interdiszipli­nären Kompetenzzentrums für Studentisches Publizieren. Die strukturellen Voraussetzungen, ein solches Institut als eine Einrichtung des Trägervereins von »aven­tinus« zu etablieren liegen bereits vor. Wegen der hierfür knapp bemessenen Ressourcen ist »aventinus« bei der Gründung des Instituts auf die Mithilfe weiterer Kooperationspartner angewiesen. Ihre gleichwertige Einbindung unter dem organisatorischen Dach des Vereins ist vorgesehen.

 

Weitere Informationen:

Hofmann, Andreas C.: Präsentation zum Vortrag „Studentisches Publizieren als neue Form von Wissenschaftskommunikation“. aventinus generalia Nr. 15 [²09.12.2010 / ¹18.07.2012], in: aventinus, URL: http://www.aventinus-online.de/index.php?id=3789

 

Hofmann, Andreas C.: Wissenschaftstheorie, Wissenschaftspolitik und die Gründung eines "Instituts für Studentisches Publizieren" – ei­ni­ge Überlegungen, in: L.I.S.A. Das Wissenschaftsportal der Gerda-Henkel-Stiftung [21.01.2013], http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/content.php?nav_id=4142

Kommentar

von Dr. Jan Hecker-Stampehl | 14.08.2013 | 10:07 Uhr
Lieber Herr Hofmann, Sie sprechen mir aus der Seele. Ich habe selber im Rahmen zweier Kurse einen studentischen Blog initiiert – http://eisbrecherblog.wordpress.com/ – auf dem ausschließlich Studierende über Web-2.0-Anwendungen im Bereich der Nordeuropa-Studien geschrieben haben. Die Idee war, diesen Blog zu einem dauerhaften studentischen Publikationsforum auszubauen, aber es ist nicht so ganz einfach, das Projekt ohne Anknüpfung an Lehrveranstaltungen weiterzuführen.
In der Tat gilt auch über die weiterbestehende "kommunikative Hierachie" zwischen Dozierenden und Studierenden hinaus, dass es in der digitalen Publikationskultur Diskrepanzen gibt. Ist es nicht so, dass wir daran arbeiten müssen, auch unsere Kollegenschaft mehr für das Kommentieren und eigene Publizieren auf Blogs, Foren und anderen Netzressourcen zu gewinnen? Jörg Friedrich hat das Bild vom „Blogger als Monarch“ und der „Aristokratie der Kommentatoren“ geprägt. (Jörg Friedrich: Kritik der vernetzten Vernunft. Philosophie für Netzbewohner. Hannover 2012, S. 92) Aber sind wir überhaupt schon dort angekommen?
Ich denke jedenfalls, dass Bestrebungen, Studierende von Anfang an in den wissenschaftlichen Diskurs einzubinden, absolut zu unterstützen sind. Studierende sollten so ermutigt und befähigt werden, sich in den Austausch über fachliche Themen früh einzubringen, um die Scheu davor zu verlieren, und um damit letztlich neben den fachlichen auch überfachliche und damit Kenntnisse für ein späteres Berufsleben (ob inner- oder außerhalb der Academia) zu erwerben. Meiner Meinung eignen sich dafür besonders solche Themen, die noch nicht besonders gut erforscht sind. Mich würden auch studentische Rezensionen zu Fachpublikationen interessieren, weil dies deutlich zeigen könnte, ob diese verständlich genug geschrieben sind und wie gut die Inhalte vermittelt werden.
Ihre Initiative ist wirklich bewundernswert und ich wünsche Ihnen, dass Sie damit Erfolg haben!

Kommentar

von M.A. Andreas C. Hofmann | 15.08.2013 | 13:38 Uhr
Lieber Herr Hecker-Stampehl, herzlichen Dank für Ihren positiven Kommentar. Ihr studentisches Blog finde ich sehr interessant und habe es auch auf der Startseite von aventinus beworben. Studentische Rezensionen zu Fachliteratur finden Sie bei aventinus übrigens gesammelt unter http://www.aventinus-online.de/recensio. Wie Sie unseren dort veröffentlichten Richtlinien entnehmen können, steht hierbei immer auch der studentische Leser im Vordergrund, auch wenn die Richtlinien nicht immer striktissime eingehalten werden können. Außerdem bietet wir seit jüngerer Zeit auch Besprechungen von Neuen Medien (http://www.aventinus-online.de/media) und Filmbesprechungen (http://www.aventinus-online.de/visio) an. Mit besten Grüßen aus München, Andreas C. Hofmann.

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